Termine

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Termine

1. Treffen

13.-15. Februar 2015,
Universität der Künste Berlin, Postgraduales Forum
Aktionskunst jenseits des Eisernen Vorhangs
(Workshop mit Boris Buden)

2. Treffen

12.-13. Februar 2016
Forschungsstelle Osteuropa (Bremen)
Zensursysteme in Osteuropa und die Methoden des Archivierens (Workshop mit Klaus Groh, Tomáš Glanz und Angelika Richter)

Als Resultat unserer Auseinandersetzungen im Rahmen des ersten Treffens des DFG-Netzwerks (Universität der Künste, Berlin) sind wir zur Schlussfolgerung gekommen, dass der Einblick in die praktischen Funktionsmechanismen des Archivierens für die historiographischen Untersuchungen unseres ephemeren Forschungsgegenstandes von zentraler Bedeutung ist. Mit großem Interesse an der neu erworbenen, für die osteuropäische Neoavantgarde-Forschung besonders relevanten Sammlung des ‚Networkers’, Mail Art-Künstlers und Kunsthistorikers Klaus Groh führten wir unseren zweiten Workshop an der Forschungsstelle Osteuropa in Bremen durch und nutzten die einmalige Chance, theoretische Diskussionen mit der Sichtung und Auswertung von (Performance-)Dokumenten und einer ausführlichen Diskussion mit Klaus Groh selbst zu verbinden. Die Sichtung von Samizdat-, Performance- und theaterrelevanten Materialien fand unter der Leitung der Mitarbeiterinnen Maria Klassen und Karina Grasztecka statt. Daran anschließend war für jedes Mitglied des Netzwerks von Interesse, Klaus Groh darauf hin zu befragen, wie er dazu gekommen ist, als Bindeglied zwischen den zwei dominanten Einflussbereichen des Kalten Krieges eine Übertragungsrolle zu spielen bzw. nach welchen Kriterien er die von den ost-, mittel- und südosteuropäischen Künstler_innen an ihn gesandten Arbeiten zu einem Archiv zusammengesetzt hat.
Am Folgetag berichtete uns Tomás Glanc (Universität Zürich) von seiner Forschung im ERC-Projekt Performance Art in Eastern Europe (1950-1990), indem er einerseits auf den Umgang von Kultur- und Kunstwissenschaftler_innen mit dem Archiv einging, andererseits die (Selbst-)Archivierungsstrategien von Künstler_innen (insbesondere die Arbeit von Lev V. Nussberg) beleuchtete. In seinen Ausführungen zur Selbstdokumentation von Performances, zum Beziehungsnetzwerk von Künstler_innen, Kurator_innen und Akademiker_innen, fokussierte er unter anderem auch auf die Archive der Staatssicherheit. Mit Blick auf die Absenz von Dokumentationen als spezifische Formen des Archivs und die so genannten fiktiven Aktionen hat er gezeigt, wie vielseitig man sich dem Thema des Archivierens von Performancekunst nähern kann.
Als neues Mitglied unseres Netzwerks haben wir abschließend von Angelika Richter (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), der Pionierforscherin der weiblichen Performanceszene der DDR ein vielfältiges Impulsreferat über die aktuelle Kooperation zwischen Wissenschaftler_innen und Künstler_innen gehört, die über die Potenziale hinaus auch konkrete Schwierigkeiten mit sich bringt, indem sie die Sichtbarmachung künstlerischer Archive zum Ziel setzt.
Die aufschlussreichen Diskussionen über Dokumentation und Archivierung haben uns am Ende des intensiven Workshops auf die Idee gebracht, das Thema des Archivs weiterhin im Blick zu behalten und unser drittes Treffen im Artpool Art Research Center in Budapest zu organisieren.

Katalin Cseh-Varga

3. Treffen

01.-03. Oktober 2016
Kollektive Archivrecherchen im Artpool Art Research Center (Budapest) und eine öffentliche Podiumsdiskussion über die Textilworkshops in Velem im Translocal Institute (Budapest): „Velem — A Community of Practice?“ (Workshop mit Anna Wessely und Kata Oltai)
Wie bei unserem vorangegangenen Workshop stand auch bei unserem dritten Arbeitstreffen im Oktober 2016 ein Archiv im Mittelpunkt, das auf eine besondere Geschichte zurückblickt: das Artpool Research Center in Budapest. Hier empfingen uns Júlia Klaniczay, die Mitbegründerin und Leiterin von Artpool, und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dóra Halasi und Gabriella Schuller. Klaniczay führte uns in die Geschichte des 1979 zusammen mit dem Künstler György Galántai gegründeten unabhängigen Kunstarchivs und -instituts ein, das in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geschichte der ungarischen Neoavantgarden und ihren internationalen Verflechtungen steht.
Nach einem intensiven Gespräch, in dem Klaniczay auch auf die Vorgeschichte des Instituts, die Bedeutung der von Galántai als Austragungsort der nichtoffiziellen ungarischen Kunst etablierten Balatonboglár-Kapelle einging, führte sie uns durch die zahlreichen verwinkelten Räume des sichtbar gewachsenen Archivs, das in einer Altbauwohnung im Zentrum von Budapest untergebracht ist. Im Anschluss hatten wir Gelegenheit, György Galántai kennenzulernen und das Gespräch über ungarische Aktionskunst der 1960er bis 1990er Jahre und ihre Rezeption fortzusetzen.
Am Abend fand eine Podiumsdiskussion im von Maja und Reuben Fowkes geleiteten Translocal Institute for Contemporary Art statt, an der neben Anna Wessely und Kata Oltai auch Beata Hock und Angelika Richter als Vertreterinnen unseres Netzwerks teilnahmen. Am Beispiel der Mitte der 1960er bis in die späten 1980er Jahre veranstalteten Textilworkshops in Velem (Ungarn) ging es um die Frage, inwiefern die geringe staatliche Reglementierung eines als ‚unverdächtig‘ geltenden Zweigs der angewandten Künste zu einer auffallend progressiven und konzeptuellen Entwicklung der Textilkunst in Ungarn beigetragen hat. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf damit einhergehenden Formen der Reproduktion und Dekonstruktion von Geschlechterbildern durch textile Kunst und ihre Produzent*innen.
Den folgenden Tag nutzten wir sowohl für individuelle als auch gemeinsame Recherchen im Artpool Art Research Center, wobei uns die Archivmitarbeiterinnen mit ihrem Wissen und ihrer Hilfsbereitschaft zur Seite standen.